Vier angehende Kfz-Mechatroniker im vierwöchigen Praktikum in Lille/Frankreich

Beginnend am 3. November 2019 nahmen wir am ERASMUS+ -Programm teil und reisten zu viert nach Lille, Frankreich.

Lille ist eine wirklich sehr schöne Stadt im Norden Frankreichs, direkt an der Grenze zu Belgien. Im gesamten Ballungsraum leben ca. 1,1 Millionen Menschen.

Wir lebten in Villeneuve d’Ascq, einem kleinen Vorort von Lille, in einem Haus, welches wir uns über die Online-Plattform Airbnb gemietet hatten. Hierbei half uns Pierre, der französische Lehrer vor Ort und vermittelte bei Verständnisschwierigkeiten zwischen den Vermietern und uns. Er sollte auch für den restlichen Zeitraum unser Ansprechpartner bleiben, ein Umstand, welcher uns den Aufenthalt enorm erleichtert hat, da er uns in all unseren Anliegen stets tatkräftig unterstützte.

An unserem Anreisetag, Sonntag den 03.11., kamen wir bereits gegen Mittag an, um mit Pierre, sowie auch Frau Betz und Frau Falger, auf dem wöchentlich stattfindenden Markt in Lille Essen zu gehen. Dieser bot eine Vielzahl an frischen und lokalen Köstlichkeiten an, welche diese Auslandserfahrung perfekt einleiten sollten. Wir probierten uns direkt an herzhaften Crêpes mit einer Käsewurst aus der Bretagne, mit dazu passendem spritzigem Cidre. Nach dem Essen ging es dann zunächst nach Hause um sich einzuquartieren und etwas einzuleben.

Am nächsten Tag besuchten wir die französische Schule an der Pierre unterrichtet und nahmen an seinem Unterricht teil. Nach dem Mittagessen und einem Besuch in der schuleigenen Werkstatt, fuhren wir mit Pierre zu unseren jeweiligen Betrieben, wo wir den Mitarbeitern vorgestellt wurden. Im Anschluss half uns Pierre noch bei unseren Einkäufen und zeigte uns, welche Nahrungsmittel wir am besten wo kaufen.

Am Mittwoch, den 06. November, begann schließlich das langersehnte Praktikum. Wir wurden auf drei Werkstätten aufgeteilt, wodurch jeder von uns seine individuellen Erfahrungen unabhängig voneinander gemacht hat. Niklas und Arne arbeiteten beispielsweise bei Renault Roubaix, einer größeren Niederlassung der Renault Retail Group, während Maik und Patrick bei unterschiedlichen Niederlassungen von Citroen untergebracht wurden. Maik arbeitete in einer kleinen Werkstatt in der Nähe unseres Hauses in Villeneuve d‘Ascq, Patrick war in einer größeren Niederlassung in Hellemmes eingebunden worden. Hier begannen unsere Arbeitstage zwischen 8.00 Uhr und 8:30 Uhr für gewöhnlich mit einem Gruppengespräch, in dem der letzte Arbeitstag und vor allem dessen Ergebnisse besprochen wurden, denn in Frankreich ist ein wichtiger Bestandteil des Kundenservices eine ausgeprägte Feedbackkultur. Im Rahmen dieser wird direkt nach der Reparatur telefonisch eine Bewertung der Arbeitsqualität und vor allem auch der Sauberkeit des Kundenfahrzeuges auf einer Skala von 1 bis 10 erfragt und dokumentiert.

Die Arbeit in der Werkstatt unterscheidet sich zu der in deutschen PKW-Werkstätten vor allem in zwei wesentlichen Punkten. Der erste Unterschied ist der nicht-existente Leistungslohn in unserem Bereich der Werkstatt, wodurch im Allgemeinen auch kein großer zeitlicher Druck bei der Reparatur vorliegt. Dies hängt mit dem Aufbau der Niederlassung zusammen, der (hier am Beispiel Renault) wie folgt aussieht. Man unterscheidet drei Bereiche. Die Karosserie-Abteilung, welche auch die Lackiererei beinhaltet, den Renault-Minute Service, der für alle Wartungsarbeiten zuständig ist, und die Mechanik-Abteilung, in welcher wir alle in den ersten drei Wochen gearbeitet haben. Dort geht es ausschließlich um Fehlerdiagnose und deren Behebung, also aufwendigere mechanische Arbeiten. Durch den deshalb fehlenden Zeitdruck hatte man deutlich mehr Zeit für die Verständigung, was auch erforderlich war, sodass die Einarbeitung und Zusammenarbeit mit den neuen, temporären Kollegen, sich als deutlich einfacher gestaltete. Aus diesem Grund war es den beiden (Niklas und Arne) möglich, auch in einem fremden Betrieb viel selbstständig an den Fahrzeugen zu arbeiten.

In der letzten Woche ermöglichte die Werkstattleitungen der einzelnen Werkstätten uns allen, durch den Einsatz von Pierre, für den Rest des Praktikums einen Einblick in die Karosserie-Abteilung zu erlangen. Dies war besonders interessant, da alle dort zu errichtenden Arbeiten in Deutschland überhaupt nicht zum Berufsbild des KFZ-Mechatronikers zählen, sondern einen eigenständigen Bereich darstellen. Trotzdem konnten alle dank der sehr vertrauensvollen Monteure in der kurzen Zeit viele Arbeiten an Karosserie und Anbauteilen durchführen und sich so grundlegende Fähigkeiten im Schleifen, Spachteln, Ausbeulen und Lackieren aneignen.

Die Freizeit, die uns blieb, konnten wir mit gemeinsamen Ausflügen nach Lille selber oder auch nur in unserem "Heimatort" Villeneuve-d'Ascq gut nutzen. Während Villeneuve-d'Ascq ein eher ruhiger Vorort ist, in dem es sich nach der Arbeit gut entspannen ließ, lohnte sich der Besuch von Lille vor allem am Wochenende. Grund dafür waren einerseits die zahlreichen Sehenswürdigkeiten, die schöne Architektur, die vielen Cafés und Einkaufsläden, welche man tagsüber besuchen bzw. bestaunen konnte. Andererseits bot auch das Nachtleben diverse Möglichkeiten sich zu vergnügen, da Lille als eine Universitätsstadt auch viele Kneipen und Bars besitzt. Als Resümee kann man sagen, dass dank netter Kollegen und Kolleginnen, sowie der netten Unterstützung von Pierre vor Ort, eine schnelle Eingewöhnung gelang. So flogen die vier Wochen in Frankreich, ob nun auf der Arbeit oder in unserer Freizeit, nur so an uns vorbei, wobei wir alle, ob nun bei Renault Roubaix oder in den anderen Werkstätten, sehr viele positive Eindrücke sammeln und nützliche Erfahrungen machen konnten. Den einzigen Nachteil, den es während des vierwöchigen Praktikums gab, war, dass es in Frankreich nicht möglich war unsere Sprachkenntnisse in Englisch anzuwenden, allerdings haben wir im Gegenzug viel Französische Sprachkenntnisse für unseren Beruf und den Alltag in Frankreich sammeln können.